Andy, der Weinpapst: Gib uns Deinen Segen!

von | Mrz 6, 2023 | Ausgetrunken | 0 Kommentare

Wenn es einen Weinpapst gibt, und es kann nur einen geben, dann ist es mein Freund Andy, das vinologische Universalgenie. Dass er alles weiß, wäre nicht der Mitteilung wert. Er weiß alles besser. Alles was sich auf diesem Erdball Wein nennt, hat mit Sicherheit schon die Kehle von Andy passiert und wurde von seinen kritischen Geschmacksnerven messerscharf analysiert und bewertet. Andy ist der letzte Entdecker, ein knallharter Analyst, ein unbestechlicher Kritiker. Andere können ihm nicht das Wasser reichen, von Wein ganz zu schweigen.

Erwähnt man beispielsweise einen Riesling des aktuellen Jahrgangs aus dem Hause XY, nickt Andy schon sehr wohlwollend bei den ersten Worten. In dieses Nicken hinein fließt ein leises „Die Säure“, womit klar wird: Andy hat die ganze Jahrgangskollektion längst verkostet und kennt das leidige Problem mit der Säure. Andy darf triumphierend lächeln, denn er hat – im Gegensatz zum gemeinen Winzer – immer die passenden Analysewerte parat und die Lösung schon auf der Zunge. Grandios. Jetzt ist man natürlich auf sein Urteil bezüglich der von ihm vergleichsweise herangezogenen Weinbesprechungen aus anderen Gütern der westlichen Hemisphäre gespannt. Dazu gibt es kostenlos in Parenthese einen geschliffenen Kurzvortrag zum Thema „Die deutsche Säure im globalen Weinmarkt“.

Andy weiß einfach alles über Wein. Erstaunlich. Keiner wandelt in der unüberschaubaren Weinwelt so traumsicher wie er. Beneidenswert. Und Andy ist sozusagen Überraschungsresistent. Wer aus seinem letzten Rucksackurlaub im Sahyadri-Gebirge voller Entdeckerstolz eine Flasche Bangalore Purple mit nach Hause brachte, hat die Rechnung ohne Andy gemacht. „Ach so, Château Indage, im Abgang etwas kurz. Hatte darüber neulich mit John Locke gesprochen“. Denn Andy kennt nicht nur alle Weine dieser Welt, sondern gleich auch die dazu passenden Winemaker. Auf Du und Du, versteht sich, sein Rat ist gefragt. Deswegen ist Andy auch Weinkritiker geworden, – collegium logicum – damit dieses unerschöpfliche Wein-Wissen der dankbaren Nachwelt erhalten bleibt. In Form von kleinen, auch für den Laien verständlichen Aphorismen über jene Weine, die Andy in unerschütterlicher Aufopferung tagtäglich zu sich nimmt.

Andy hat sich einen Traum verwirklicht und damit die höchste Form der Selbstverwirklichung erreicht: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Denn vor seiner Verehrung als Weinpapst war Andy Weinhändler. Tolle Vinothek, tolle Weine, tolle Beratung und natürlich die tollsten geheimen Geheimtipps und bis dato unentdeckten Entdeckungen gänzlich unbekannter Winzer und ihrer Machwerke. Eigentlich war alles toll. Nach dem völlig überraschenden Crash seiner Weinhandlung beschloss Andy dem schnöden Beratungsdasein ein Ende zu machen und Weinguru zu werden. Andy ist einer von uns der es geschafft hat. Das macht ihn so sympathisch.

Foto: Pixabay

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