Das Weinjahr 2026 – Kein Grund zu Panik, im Gegenteil

von | Okt. 15, 2026 | Aufmacher | 0 Kommentare

Die Dürre, die Hitze und Trockenheit, der arme Vater Rhein fast ausgetrocknet. So brutal kann er zuschlagen, der Klimawandel! Und „Ernteeinbußen“ allerorten. Jetzt ist die Weinlese 2026 fast zu Ende, die Ernte in die sprichwörtliche Scheuer eingefahren. Und, oh Wunder, das Ergebnis kann sich sehen lassen, nicht nur qualitativ. Auch die Menge ist nicht so schlecht wie sie sein sollte, wenn man den notorischen Schwarzsehern über den Weg getraut hätte.

Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes haben die deutschen Weinbauern rund acht Millionen Hektoliter Weinmost gekeltert, was einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzte fünf Jahre fiel die Erntemenge vier Prozent niedriger aus. Vier Prozent ist fast nichts – das liegt schon fast im statistischen Unschärfebereich.

Allerdings gibt es, wie sollte es anders sein, regional markante Unterschiede. An der Ahr, dem größten geschlossenen Rotweinanbaugebiet des Landes, sowie an der Mosel und in Franken fielen die Erträge mit einem Minus von bis zu fünfzig Prozent deutlich schwächer aus als im vergangenen Jahr. Dafür wurden in Rheinhessen, der Pfalz, Baden und dem Rheingau Zuwächse verzeichnet.

Gesundheit und Qualität der Trauben könnten auf einen besonders guten Jahrgang hinweisen, vielleicht einen neuen Jahrhundertjahrgang. Denn Weinreben, wenn sie nicht noch allzu jung sind, kommen mit einem gewissen Quantum an Wasserstress, wie in diesem tendenziell heißen und trockenen Jahr, prima aus. Dann pumpen sie die Beeren nicht mit zu viel Flüssigkeit auf, was die Konzentration der Aromen und anderer Inhaltsstoffe begünstigt. Im Keller entstehen extraktreiche Weine, die Jahre lang reifen und immer noch an Komplexität gewinnen können.

Was sagt uns das? Die Erwärmung des Klimas ist zumindest für den deutschen Weinbau insgesamt ein Segen, zumindest für den Qualitätsweinbau. Die meisten Winzer haben gelernt, mit den Wetterkapriolen umzugehen, wobei statistisch noch nicht einmal bewiesen ist, dass diese im Zuge des Klimawandels wirklich signifikant zugenommen haben. Sie passen sich an, unter anderem mit der langsamen Umstellung auf andere Rebsorten. Wunderbare Pinot noirs aus der Pfalz oder dem Rheingau, wo einst fast nur Riesling reifte, sind längst keine Ausnahme mehr. Dass die Erntetermine immer mehr vom Herbst in den Spätsommer wandern, ist eine Tatsache. In diesem Jahr begann die Lese mancherorts so früh wie noch nie in der jüngeren Geschichte.

Panik ist also nicht angesagt, im Gegenteil. Und wenn es in zunehmendem Maße Meldungen gibt von Weingütern oder Genossenschaften, die in die Insolvenz gegangen sind, dann ist auch daran nicht das Wetter oder das Klima schuld, sondern neben den insgesamt gestiegenen Kosten für Energie vor allem der rückläufige Weinkonsum der Bevölkerung. Das betrifft aber in erster Linie Massenweine, denn für echte Qualität wird sich wohl immer ein Liebhaber finden. Das Weinmarketing sollte also nicht auf alkoholfreie „Weine“ oder ähnliche Ersatzangebote setzen, sondern den Kunden erklären, wie Qualitätswein aus deutschen Landen schmeckt und dass Qualität ihren Preis hat. Die Weinwelt ändert sich, was sie schon immer getan hat. Und insgesamt zum Besseren, allen Kassandrarufen zum Trotz.

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