Seit in Deutschland das unsägliche Stereotyp vom „alten, weißen Mann“ aufgekommen ist, erfreut sich auch ein anderes Schimpfwort für die „Schon-länger-hier-Lebenden“ wachsender Beliebtheit: „Kartoffeln“. Als abwertende Bezeichnung für Deutsche „in multikulturellen Zusammenhängen“, wie Wikipedia zutreffend schreibt. Sie lasse sich auf das Vorurteil zurückführen, wonach Deutsche überdurchschnittlich viel und häufig Kartoffeln verzehrten. Dabei liegen die Deutschen, was den Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln anbelangt, europaweit keineswegs an der Spitze, sondern im oberen Mittelfeld.
Dass Kartoffeln eine urdeutsche Speise seien, stimmt ebenfalls nicht und gewinnt auch dann nicht an Überzeugungskraft, wenn man die Schmähung als einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit sieht für das, was „Kümmeltürken“, „Spaghettifresser“ (Italiener) und „Froschfresser“ (Franzosen) von Seiten übelgelaunter Teutonen in Sachen Diskriminierung zu erdulden hatten.
Im 18. Jahrhundert jedenfalls mussten die Bewohner deutscher Provinzen beinahe dazu geprügelt werden, Kartoffeln anzubauen, die zu dieser Zeit noch als exotische Zierpflanze galten. Erst Friedrich dem Großen gelang es, die nahrhafte und sättigende Speise südamerikanischen Ursprungs hierzulande als Volksnahrung zu etablieren, nicht zuletzt mit Blick auf seine militärischen Ambitionen.
Schon bald wurde der Kartoffel in der Gastronomie indes eine hohe Wertschätzung zuteil. In Frankreich war es Auguste Parmentier, der die Vielseitigkeit der Knollen pries und Namensgeber des berühmten Hachis Parmentier wurde, eines schmackhaften Auflaufs aus Rinderhack und Kartoffelpüree, der sich in Deutschland außerhalb von Altenheimen leider nicht durchsetzen konnte.
In Deutschland gibt es zwei Arten, Kartoffelsalat zuzubereiten: mit Brühe oder mit Mayonnaise. Im Westen und Norden Mayonnaise, im Osten und Süden Brühe, so ungefähr zieht sich der Kartoffelsalat-Äquator durchs Land und scheidet cremig von schlotzig. Für die süddeutsche Variante übergießt man die noch warmen, festkochenden Kartoffeln mit Brühe und/oder einer Vinaigrette. Beim Herausheben einer Portion mit der Schöpfkelle gibt der Salat einen schmatzigen Laut von sich, daher der Begriff schlotzig. Manchmal verwendet man in Süd- und Ostdeutschland auch halbfeste Kartoffeln, die im Zusammenspiel mit der warmen Flüssigkeit wirklich zu einer Art Kartoffelbrei zerfallen.
Dagegen wird die west- und norddeutsche Variante mit Mayonnaise zubereitet, der man auch Joghurt zufügen kann, um sie leichter zu machen. Je nach Geschmack kann man auch frische oder saure Gurken, Speck oder Feldsalat untermischen. Natürlich schmeckt hausgemachter Kartoffelsalat am besten, doch vor allem in der Grillsaison greifen viele Menschen aus Zeitgründen oder Bequemlichkeit zu Fertigprodukten aus dem Supermarkt.
Hier die Ergebnisse unseres Tests:
Chef Select – Kartoffelsalat mit Bauchspeck (Lidl)
Ein schön cremiger Kartoffelsalat, laut Zutatenliste sogar mit echtem Hühnereigelb zubereitet. Geschmacklich eher auf der süßen statt sauren Seite, aber insgesamt recht ausgewogen. Intensiver Kartoffelgeschmack, die Scheiben bissfest und nicht zu dick geschnitten. Der Bauchspeck allerdings fast geschmacksneutral und nur in mikroskopischen Stücken wahrnehmbar. Schmeckt fast wie bei Muttern. 400 Gramm 1,49 Euro)
Note 2
Grünhof Bio-Kartoffelsalat mit Gurken (Denree)
Laut Packungsaufdruck „N. 1 im Bio-Fachhandel“. Wir glauben es gerne, denn dieser cremige Salat hält, was er verspricht. Große, feste Kartoffelscheiben mit intensivem Kartoffelaroma, die Sauce schmeckt frisch mit gut austariertem Verhältnis von Süße und Säure. Deutlich wahrnehmbar und schön knackig, die kleinen Gurkenstücke, die dem Salat einen interessanten Crunch geben. Das Produkt wird als vegan bezeichnet, die Cremigkeit der Sauce ist Sonnenblumenprotein und Rapsöl zu verdanken. Überzeugend. (400 Gramm 3,79 Euro)
Note 1-2
Kühlmann Veganer Kartoffelsalat mit Gurke (EDEKA)
Ein Kartoffelsalat der schlotzigen, süddeutschen Art, wobei die intensive gelbe Farbe nicht den Kartoffeln, sondern Karottenkonzentrat zu verdanken ist. Beim Öffnen entströmt der Packung ein etwas muffiger Duft. Breiige Konsistenz, im Geschmack sehr zwiebelig, was dem beigefügten Schnittlauch zu verdanken ist, muss man mögen. Vom Gesamteindruck eher für Süßmäuler als Säuerlinge, etwas unausgewogen, aber insgesamt nicht unsympathisch (250 Gramm 1,69 Euro)
Note 2-3
Kühlmann Omas Kartoffelsalat Bayerische Art (EDEKA)
Da es sich um einen cremigen Salat handelt, erscheint der Zusatz „Bayerische Art“ erklärungsbedürftig. Extrem zwiebellastig im Geschmack, dazu eine spitze, unangenehme Säure. Das Aroma der Kartoffeln ist kaum wahrnehmbar. Metallisch-künstlich im Abgang. Wenn uns Oma das vorgesetzt hätte, hätte man sie umgehend ins Altenheim stecken müssen. (250 Gramm 1,69 Euro)
Note 4
Walter Popps Würziger Kartoffelsalat (Lidl)
Zuerst rätselt man, wie die Packung zu öffnen sei. Nach längerem Suchen findet sich dann aber an der vorderen, rechten Ecke der quadratischen Plastikbox eine Lasche, die man unter akuter Gefahr für die Fingernägel nach unten drücken muss, um den Deckel aufzukriegen. Darunter ein Berg von mittelgroßen, intensiv gelben Kartoffelscheiben, stückig, nicht schlotzig, was aber kein Nachteil ist. Laut Zutatenliste nur mit Essig und Öl, also einer Vinaigrette, gemacht, wobei Essig auch hier Branntweinessig heißt, die billigste aller Essigsorten, was man schmeckt. Gut wahrnehmbar die knackigen Zwiebelstückchen, deren Geschmack sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Keine Offenbarung, aber für einen verregneten Grillabend akzeptabel. (400 Gramm 2,49 Euro)
Note 2-3
Kartoffelhof Steinhausen Schwäbischer Kartoffelsalat (Lidl)
Das Grauen hat einen Namen und kommt wieder mal, pardon, aus Schwaben. Dabei ist der Geruch dieses schlotzigen Kartoffelsalats gar nicht mal so übel. Doch der Augenschein ist es ganz und gar nicht, denn aus dem hohen Plastikbecker starrt einem ein grieseliger Haufen bleicher Kartoffelscheiben entgegen. Kartoffelgeschmack ist nicht vorhanden, dafür Säure, die einem die Schuhe auszieht. Dabei war man nach dem Studium der Zutatenliste der Meinung, hier ein einigermaßen natürliches Qualitätsprodukt vorgesetzt zu bekommen. Da protestiert sogar ein zaddriges Schweinnackensteak. Und diese Katastrophe auch noch als 500 Gramm-Vorratspackung (2,09 Euro). Um den Nachgeschmack zu beseitigen, empfiehlt sich ein Korn.
Note 5
WONNEMEYER Feinkost Kartoffelsalat mit Crème fraîche (Aldi)
Während der Verkostung dieses Produktes stellt man sich unweigerlich die Frage, wer solches Zeug kauft und am Ende auch noch isst. Ein sogenannter Kartoffelsalat der ALDI Eigenmarke WONNEMEYER Feinkost, der in der Kilo-Packung ganze 2,49 Euro kostet, dazu mit Creme fraîche verfeinert sein soll. Zu schmecken ist davon nichts, rein gar nichts. Die eher gallertartigen Kartoffelscheiben, die rund 68 Prozent des Salates ausmachen und laut „Beipackzettel“ mit Schnittlauch, Eigelb, Zwiebeln und Branntweinessig aufgepeppt sind, verdienen den Markenzusatz Feinkost nicht und sind ebenfalls relativ geschmacksneutral. Um es in der Diplomatensprache auf den Punkt zu bringen: ein Anschlag auf den guten Geschmack, der Einsatz auf Gartenpartys ist aufs Schärfste zu verurteilen.
Note 6
GENUSSWELT Feinkost Kartoffelsalat mit Essig-Öl-Dressing (Netto)
Wer sich mit dem Mittelmaß zufrieden gibt, kann mit dem Kartoffelsalat von Netto nicht viel falsch machen. Ein solides Produkt in der 400 Gramm Packung, bestehend aus relativ gleichmäßig geschnittenen, etwas zu weichen Kartoffelscheiben. Einfach abgeschmeckt mit Essing und Öl, und unterlegt mit einem dezenten Zwiebelgeschmack. Tut nicht weh und ist mit 1,49 Euro für 400 Gramm ein Schnäppchen für Sparfüchse.
Note 3
HOMANN Kartoffelsalat Klassische Art mit Gurke und Zwiebeln (REWE)
Die Firma Hohmann, 1876 als Fabrik für westfälische Fleisch- und Wurstwaren in Dissen am Teutoburger Wald gegründet, hat gleich mehrere Kartoffelsalat Varianten im Portfolio. Unter anderem den „Klassiker“, der aus 62 Prozent Kartoffeln besteht, der Rest sind Gurken und Zwiebeln (jeweils 5 Prozent), Wasser, Rapsöl, Branntweinessig, Hühnereigelb, Petersilie, Karottenkonzentrat, Kaliumsorbat et cetera. Dazu kann laut Hersteller der Salat Spuren von Fischen, Krebstieren, Sojabohnen, Erdnüssen, glutenhaltigem Getreide, Schalenfrüchten, Milch, Sellerie und Sesamsamen enthalten. Das alles in ein bisschen Kartoffelsalat! Dafür schmeckt der „Hohmann“ ganz ordentlich, die Kartoffelscheiben sind würzig angemacht, bissfest und nicht zu dick geschnitten. (400 Gramm 2,59 Euro)
Note 3
NADLER Kartoffelsalat mit Joghurt (REWE)
„Das Beste geben“, heißt das Motto des Unternehmens, das Dr. Paul Nadler vor 100 Jahren in Berlin gründete. Kann man so stehen lassen, zumindest der neu interpretierte Klassiker bietet bissfeste Kartoffelscheiben ohne Mayonnaise, dafür in ausreichend schlotziger Joghurt-Sauce (immerhin 13 Prozent Anteil), verfeinert mit Schnittlauch und Zwiebeln. Ein Kartoffelsalat der besseren Klasse mit aromatisch rundem, frischem Geschmack.
(400 Gramm, ca. 1,99 Euro)
Note 2-3
Foto: Pixabay


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