Wieder ein Traditionsbetrieb weniger: Die Hamburger Confiserie Paulsen, gegründet im Jahre 1928, hat Insolvenz angemeldet. Hohe Kakaopreise und Energiekosten sowie die Kaufzurückhaltung der Kunden wurden von der Betreibergesellschaft, die das Unternehmen 1998 von der Gründerfamilie erworben hatte, als Grund für die Pleite genannt. Als ich in den neunziger Jahren in der Hansestadt lebte, fand sich das Hauptgeschäft noch ganz in der Nähe der Binnenalster. Dort fielen mir im Schaufenster zu Ostern sofort die schönen Osterpasteten ins Auge, halbierte Schokoeierhälften, gefüllt mit Nougat und Marzipan und dekoriert mit kandierten Früchten und Pistazien – in ansprechender Retro-Optik wie der markante Schriftzug der Confiserie.
Die Pasteteneier waren zugegebenermaßen nicht billig, aber ihren Preis wert. Weniger kostspielig, aber nicht weniger köstlich waren die großen Marzipaneier in den Geschmacksrichtungen Pistazie, Ananas, Orange, Ingwer und natur, einmal mit Bitterschokolade überzogen, einmal geflämmt. Eine reiche Auswahl an Pralinen und Tafelschokolade, Gebäck und anderen Süßigkeiten sowie Kaffee, Wein und Schnäpse gabs das ganze Jahr über. Einstweilen geht der Verkauf noch weiter, doch die Zukunft des Unternehmens ist höchst ungewiss. Und so bröckelt unser einst schönes Land vor sich hin. Die Trauer darüber kann man eigentlich nur mit einer hohen Dosis Schokolade überleben. Solange wir sie noch essen dürfen und wir sie uns leisten können.
Foto: Pixabay/Symbolbild


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