Von Schaumschlägern und Leberwürsten

von | Aug 17, 2022 | Aufmacher | 1 Kommentar

Die sprachliche Geringschätzung des Essens in Deutschland – und ihre verheerenden Folgen.

„Wer nichts wird, wird Wirt“, sagt der Volksmund mit einem Augenzwinkern, doch ist es mit dem Wahrheitsindex solcher Redewendungen meist ernster, als es zunächst den Anschein hat. Nicht nur, dass die Berufsgruppen, die sich professionell um das leibliche Wohl der Bevölkerung kümmern, in der gesellschaftlichen Beliebtheitsskala in den unteren Rängen rangieren. Angefangen beim ehrenwerten Landwirt, der sprichwörtlich als Bauer für rüpelhaftes Verhalten oder als bauernschlau für eine gewisse Verschlagenheit herhalten muss, sind Gastwirt, Kellner und Koch, nicht zu vergessen Metzger und Bäcker, für die meisten Zeitgenossen zwar wichtige, aber dennoch unattraktive Berufe. Doch damit nicht genug. Auch die deutsche Sprache, immerhin das wichtigste zwischenmenschliche Kommunikationsmittel und in ihrer Komplexität Gradmesser einer kulturellen Identität, verleiht in eingängigen Redewendungen dem Essen zwar eine einprägsame, aber weitgehend lieblose und teils despektierliche Bildlichkeit.

Das sprachliche Dilemma beginnt schon am Morgen, wenn man „schlecht gefrühstückt“ hat und damit seiner Umwelt miese Laune signalisiert. Wer „rückwärts frühstückt“, steigert das Unwohlsein in Übelkeit, weil man ihm etwas „aufs Brot geschmiert“ hat, das scheinbar schwer verdaulich ist. Ohnehin hat man hin und wieder am „harten Brot“ zu kauen, bekommt die „Butter vom Brot genommen“ und wünscht manch einem unliebsamen „Schaumschläger“, dass ihm der „Bissen im Hals stecken bleiben möchte“. Triumphiert der Neid, dann gönnt man der „Extrawurst“ „nicht die Butter aufs Brot“. Hat man dagegen „den Braten gerochen“, kann man sein Gegenüber herrlich „unterbuttern“ oder „in die Pfanne hauen“. Wenn „alles Käse, wahlweise Quark ist“, läuft es in der „Sauregurkenzeit“ nicht besonders gut. Man „backt kleine Brötchen“, ist ein bedauernswerter „Dreikäsehoch“, eine echte „Gurke oder Pflaume“, eine „taube Nuss“, die „nichts in der Birne“ hat und nicht „die Bohne versteht“. Oder man ist einfach nur „dumm wie Brot“. Entsprechend gelten erfolglose Aktivitäten als „brotlose Kunst“ und das Spießige bekommt mit dem Synonym „altbacken“ einen „abgenudelten“ Seitenhieb aus der Welt des Bäckerhandwerks. Dagegen adeln unsere französischen Nachbarn einen guten Menschen mit dem Vergleich „bon comme le pain“. Und was in Frankreich mit Pariser Schick beschrieben wird, kommt in Deutschland als „aufgebrezelt“ daher und lässt tief blicken in die deutschen Ansprüche an weibliche Ästhetik von „Landeiern“ und „Teufelsbraten“ gleichermaßen. Ist die „aufgegabelte“ Madame am Ende eine „treulose Tomate“ oder „kalt wie Fisch“, „hat man den Salat“.

Vollends in Misskredit gebracht wird die Brezel in der bayrischen Redewendung „jemanden eine Brezn geben“, was einer Beleidigung oder einer Ohrfeige gleichkommt. Auch die Konditoren bekommen ihr Fett weg und werden verbal ordentlich „durchgenudelt“, wenn vermeintlich hässliche Frauen als „Streuselkuchen“ bezeichnet werden, einem etwas „auf den Keks geht“ oder hemmungslos und rücksichtslos „abgesahnt“ wird. Wer „durch den Kakao gezogen wird“, weil er ständig „seinen Senf dazugeben“ muss, ein „ausgekochter und abgebrühter“ Typ ist, „einen Sprung in der Schüssel“ oder „die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat“, dem kann es schon mal passieren, dass es am Ende ums „Eingemachte“ geht und er eine „gesalzene oder gepfefferte Rechnung“ aufgetischt bekommt. Im schlimmsten Fall „spuckt man ihm in die Suppe “. Dann lässt man ihn wie „eine heiße Kartoffel“ fallen, „eiert nicht lange herum“ und „er muss die Suppe auslöffeln, die er sich selbst eingebrockt hat“. Es sei denn, „er gibt vorher den Löffel ab“. Wenn es im Leben mal wieder „um die Wurst geht“, hört der Spaß endgültig auf. Denn wo etwas „verwurstet“ wird, fehlt es an Qualität und allzu schnell macht man sich zum „Hanswurst“ oder „Suppenkasper“, zum „armen Würstchen“ oder zur „doofen Nudel“. Nicht immer ist das ein Grund „stinksauer“ zu sein, die „beleidigte Leberwurst“ oder den „Trauerkloß“ zu spielen. Schließlich darf man in einer „Bananenrepublik“, in der es zugeht wie „Kraut und Rüben“ nicht erwarten, wie „ein rohes Ei“ behandelt zu werden. Ab und an gibt es „auf die Rübe“, denn nicht mit allen Zeitgenossen „ist gut Kirschen essen“. Dann gilt es „nicht im eigenen Saft zu schmoren“ und lieber „in den sauren Apfel zu beißen“. Wer „Tomaten auf den Augen “ und „einen Kloss im Hals hat“, mag bedauernswert sein, aber das macht den „Kohl auch nicht mehr fett“. „Immer der gleiche Gulasch“, Hauptsache, man wird vom Leben nicht gänzlich „durch den Fleischwolf gedreht“.

1 Kommentar

  1. Hat Spaß gemacht, mal alle (?) Ausdrücke gesammelt in einem Artikel zu lesen! Cool.

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