Ungenießbares aus Meckpom

von | Juli 26, 2026 | Allerlei, Aufmacher | 2 Kommentare

Politiker der Einheitsfront jenseits der Brandmauer scheinen eine besondere Liebe zum Fischbrötchen entwickelt zu haben. Der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traktierte mit einem solchen im Oktober 2023 den französischen Staatspräsidenten Macron bei einem Staatsbesuch in Hamburg. Vor allem die französische First Lady wirkte beim Verzehr im Rahmen eines Spazierganges durch Hamburgs Nobelvorort Blankenese besonders unglücklich. Matjessemmel aus der Hand statt Galadiner – wenn es wenigstens ein Krabbenbrötchen gewesen wäre. „Fischbrötchen-Diplomatie“ nannte man das seinerzeit. Jetzt hat die CDU in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Spitzenkandidaten Daniel Peters das Fischbrötchen als Wahlkampfschlager entdeckt. Landesweit wurden Plakate geklebt mit einem Herings- bzw Matjesbrötchen samt Zwiebelringen und dem Slogan: „Die Mitte ist das Beste“. Nun ja, dass man die Mitte im To-go-Modus ohne die „Extreme“ oben und unten kaum verzehren kann, wird nicht thematisiert. Und wofür stehen die rohen Zwiebelringe? Vielleicht für die Ungenießbarkeit der CDU-Politik in Meckpom wie im Bund? Im Netz erregten sich Kommentatoren darüber, dass das Foto des Fischbrötchens angeblich für nur 19 Euro im Internet gekauft und nicht an der mecklenburgischen Ostseeküste aufgenommen worden war. „Hätten wir ein Foto eines Fischbrötchens aus Stralsund genommen, hätte sich Rostock beschwert. Hätten wir ein Fischbrötchen von Rügen genommen, wäre Usedom verärgert. Und zwar zurecht.“ Deshalb habe man sich für ein Foto entschieden, das neutral sei, weil es keinen Anbieter in Mecklenburg-Vorpommern heraushebe. Im Übrigen habe das Bild 73 Euro gekostet, so der Herausforderer von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Soviel Nonsens aus dem Mund von Politiker, die Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen wollen, verträgt man nur mit einem doppelten Korn.

Foto: Pixabay

2 Kommentare

  1. Der erste und letzte Satz haben die Tragödie der Deutschen Politik bestens dargestellt – merci !

    Antworten
  2. Das Fischbrötchen ist es wert, eine Lanze für eben dieses zu brechen. Noch heute habe ich diesen ungvergleichlichen Geschmack auf der Zunge, wenn mich meine liebe dicke Tante Frieda auf dem Sozius ihrer NSU Quickly mitnahm nach Marktredwitz, im Herzen des Fichtelgebirges. Das lag weitab von jeder Küste. Aber dort auf dem Marktplatz gab es einen Kiosk, der einen unbeschreiblichen Hochgenuß zwischen zwei knusprigen, reschen Semmelhälften mit Zwiebeln und einer für den 10jährigen kaum zu bewältigenden Menge an Hering über die Theke reichte. Heute, gefühlte Jahrhunderte später in einer anderen Welt, gibt es diesen Kiosk natürlich nicht mehr. Aber solange ich auch suche, nie mehr habe ich wieder diesen Geschmack auf der Zunge gehabt.
    Natürlich: „Fischbrötchen“ gibt’s noch, oft natürlich mit den heute notwendigen hochtrabenden Attributen versehen. Aber was sind das für elende Zeitgenossen. In klebrigen, kaum gebackenen, schmierigen Fertigsemmeln (man sollte diesen Machwerken jede Verbindung zum Bäckerhandwerk verbieten). So kommen sie daher. Und fast ist man geneigt zu vermuten, dass auch der Fisch darin nichts anderes sein kann als irgend ein Kunstprodukt aus einem Foliengrab.
    Frage: Gibt’s denn wenigstens bei „Gosch“ eigentlich noch echte Brötchen? Probieren Sie es aus und urteilen Sie selbst.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert