Meine Schwiegermutter selig war eine überzeugte Anhängerin des Kochens im Schnellkochtopf. Sie schätze die Arbeitserleichterung und Zeitersparnis, die ihr das Gerät versprach. Ich habe immer etwas Angst gehabt, wenn das Ungetüm zischend und dampfend auf der Kochplatte stand und drohte, im nächsten Augenblick das Haus in die Luft zu sprengen.
Soweit kam es glücklicherweise nicht. Doch das kulinarische Ergebnis der Turbokocherei war selten wirklich zufriedenstellend. Meist war das, male dictu, „Gargut“, der martialischen Hochdruckbehandlung zu lange oder zu kurz ausgesetzt, das Fleisch verkocht und trocken. Wenn es sich um ein ursprünglich saftiges Bürgermeisterstück oder einen feinen Tafelspitz handelte, war einem bei Anblick des grauen Ergebnisses fast zum Weinen zumute.
In der Profiküche sind Schnellkochtöpfe, die unter Dampfdruck arbeiten, mehr oder weniger unbekannt. Wenn Dampf, dann ohne Druck. Immer mehr Köche schwören darauf, weil beim drucklosen Dampfgaren besonders empfindliche Lebensmittel wie Fisch oder Gemüse ihre natürliche Farbe und ihren Eigengeschmack behalten. In Asien ist diese schonende Zubereitungsmethode in übereinandergestapelten Bambuskörbchen über einem Wasserbad seit Jahrtausenden bekannt.
Für Profis und ambitionierte Hobbyköche hält die Haushaltswarenindustrie eine große Auswahl an Hightechgeräten bereit. Ich selbst besaß als Student in meiner Bude mal einen kleinen Dampfbackofen, der allerdings einen entscheidenden Nachteil hatte: er war schlecht zu reinigen und roch nach kurzer Zeit aufdringlich. Moderne Geräte haben natürlich eine auf dem chemischen Prinzip der Pyrolyse beruhende Selbstreinigungsfunktion.
Dampfgaren gilt auch als gesund, weil man mit wenig Flüssigkeit kochen kann, was verhindert, dass Vitamine und Mineralien herausgewaschen werden. Dazu kommt bei einem Schnellkochtopf die Energieersparnis. Je nach Speise werden für das Garen 50 bis 70 Prozent weniger Zeit benötigt. Bei einem zähen Suppenhuhn oder steinharten Hülsenfrüchten kann das durchaus ins Gewicht fallen, weswegen „Klimaschützer“ selbstredend zur Anschaffung eines solchen Gerätes raten. Aber die essen, um die Welt zu retten, ja auch ungenießbare Veggiewurst.
Dass nun auch das traditionsreiche Silitwerk seinen schwäbischen Standort dicht macht und fürderhin in Asien produziert, ist ein weiterer Markstein des Niedergangs der deutschen Industrie. Trotzdem glaubt der künftige grüne Ministerpräsident des einst so prosperierenden Ländles, Cem Özdemir, allen Ernstes und immer noch, dass konsequenter Klimaschutz ein „knallharter“ Standortvorteil sei. Silit brachte 1927 unter dem Markennamen „Sicomatic“ („Sicherheits-Kochtopf“) einen der ersten Schnellkochgeräte auf den Markt, der die Hausfrauen entlasten sollte und bis heute Maßstäbe setzt. „4,4 Kilogramm Stahl in Topf und Deckel ergeben einen gesunden und äußerst hochwertigen Schnellkochtopf“, heißt es in einem Testbericht. Früher nannte man das deutsche Wertarbeit.
Silit gehört zur Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF), gegründet 1853 in Geislingen an der Steige, ein namhafter deutscher Hersteller von Haushalts-, Gastronomie- und Hotelartikeln. WMF wiederum ist seit 2016 Teil des französischen Haushaltswarenkonzerns Groupe SEB, Weltmarktführer bei elektrischen Haushaltskleingeräten, der nun, wie es heißt, „umfassende Einschnitte in die Geschäftsstruktur plant. Grund ist, dass insbesondere chinesische Haushaltswarenhersteller infolge „profitablerer Standortbedingungen“ weitaus günstiger produzieren – wer hätte das gedacht.
Stellenabbau und Standortschließungen seien vorgesehen, davon betroffen auch das Silitwerk im oberschwäbischen Riedlingen. Produkte der Marke Silit sollen künftig in Asien gefertigt werden. Der Ausverkauf der deutschen Industrie, nicht zuletzt ein Ergebnis der vermurksten „Energiewende“, soll allein in Riedlingen 130 Beschäftigte betreffen. „Die Nachricht trifft unsere Stadt schwer“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus, das von einem CDU-Bürgermeister geführt wird.
Offenbar immer noch nicht hart genug, sonst würden die CDU-Kommunalpolitiker einem gewissen Manuel Hagel aufs Dach steigen, damit der sich nicht noch einmal zum Bettvorleger der Grünen degradieren lässt. Aber immer noch können viele Wähler nicht von der grünen Hippiedroge lassen, die das ganze Land ins Delirium versetzt hat, während sich die Union weigert, dem Willen ihrer Wähler gerecht zu werden und endlich einen echten Wandel einzuleiten. Der große Knall lässt leider noch immer auf sich warten. Wie bei einem modernen Schnellkochtopf entweicht der Druck nur peu à peu. Aber sicher.
Bild: Achgut.com K.I.
Diese Kolumne erscheint jeden Sonntag auf Achgut.com


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