Tafeln wie zur Zarenzeit: Das „Samowar“ in Berlin

von | März 26, 2026 | Aufmacher | 0 Kommentare

In Berlin, direkt am Schloss Charlottenburg, liegt das angeblich älteste russische Restaurant der Hauptstadt, gegründet in den 70er Jahren noch in der Zeit des Kalten Krieges und lange vor der „Gorbimania“ der späten 80er Jahre. Der in Osteuropa tobende Krieg ist hier im „Samowar“ sehr weit weg. Man hält einen angemessenen Sicherheitsabstand zur Politik, die einem schlimmstenfalls die Gäste vergrault. Verständlich, wobei es auch russischstämmige Sterneköche wie Alexander Wulf vom „Troyka“ im nordrhein-westfälischen Erkelenz gibt, die den Ukrainekrieg öffentlich verurteilen und sich zugleich gegen die aktuell in Deutschland grassierende Russophobie zur Wehr setzen.

An einem Samstagabend ist das Lokal gut besucht, man tafelt in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre. Viel russisches Kunsthandwerk ziert die Gasträume, ohne dass sie überladen wirken, darunter natürlich kunstvoll geschmiedete Samoware, die in Russland traditionell zur Zubereitung von Tee verwendet werden und dem Restaurant seinen Namen geben. Büsten russischer Herrscher erinnern an die Zarenzeit, auf die man sich hier auch kulinarisch beruft.

Wer möchte, kann vorab ein reichhaltiges „Zarenfestmahl“ bestellen mit allen Köstlichkeiten, die die russische Küche zu bieten hat: natürlich Sakuski, die russische Variante der spanischen Tapas, Suppen wie Borschtsch-Ukrainskij und Soljanka, Teigwaren wie Pelmeni, Wareniki und Piroschki und natürlich russische Blinis, die an französische Crêpes erinnern, und zusammen mit Smetana, saurer Sahne, zum Kaviar gereicht werden. Als Hauptgang gibt es Schaschlik, Lachsfilet oder geschmortes Rindfleisch mit Backpflaumen und zum Dessert süß gefüllte Blinis.

Da wir aber nur zu zweit gekommen waren und die Zarensause erst ab sechs Personen aufgetischt wird, gönnten wir uns zusammen einen kleinen Sakuski-Teller mit manch ungewohnten Geschmackseindrücken aus der vielfältigen Welt russischer Sauerkonserven, der noch dazu schön bunt anzusehen war. Dazu schon zum Auftakt zwei Stamperl Wodka, die in der Tat wie Wasser die Kehle hinunterflossen. Hernach ein würziges Schaschlik vom aromatischen Duroc-Schwein und Pelmeni mit Sauerkraut-Pilz-Füllung, Röstzwiebeln und Smetana, alles ohne Tadel zubereitet und mit ausgesprochener Herzlichkeit und Aufmerksamkeit serviert. Die süßen Blinis mit einer Sauerkirsch-Quarkfüllung waren ein schöner Rausschmeißer.

Nur der recht fade georgische Weißwein ließ zu wünschen übrig, wurde aber vom „Ofiziant“, wie der Herr Ober auf Russisch heißt, anstandslos zurückgenommen und durch einen ordentlichen, italienischen Lugana ersetzt. Am besten hätte zu den deftigen Speisen allerdings wohl ein Bier gepasst oder gleich eine ganze Flasche Wodka. Doch leider waren wir mit dem Auto gekommen.

Foto: Pixabay

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert