Etscheits Cancel Cuisine: Pausenbrot

von | März 27, 2026 | Aufmacher | 0 Kommentare

„Dass Kinder kein Frühstück mit zur Schule oder Kita bringen, kann unterschiedliche Ursachen haben. Manche Kinder sind morgens auf sich alleine gestellt, Erziehungsberechtigte haben keine Zeit oder es fehlt einfach an Geld.“ So steht es auf der Webseite des gemeinnützigen Vereins „breakfast4kids“, aus Stolberg in Nordrhein-Westfalen, der sich zum Ziel gesetzt hat, „so vielen Kindern wie möglich täglich ein gesundes Pausenbrot zu ermöglichen“. Ein schönes Projekt, gewiss, doch vielleicht ist der Grund, warum manche Kinder kein Pausenbrot im Schulranzen haben, ein ganz anderer. Vielleicht ist einfach Ramadan.

Der muslimische Fastenmonat, bei dem sich die Gläubigen von der Morgendämmerung bis zum Fastenbrechen bei Sonnenuntergang jeder Nahrungsaufnahme enthalten müssen, wird immer häufiger zum Streitfall zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Kindern. An einer  Gesamtschule in Kleve am Niederrhein kam es jüngst zu einem bundesweit beachteten Skandal, als muslimische Kinder ihre mutmaßlich christlichen Mitschüler mobbten, weil sie ihr Butterbrot nicht wegwerfen wollten.

Nach Angaben der Eltern sollen mehrere der Kids „Würge- und Kotzgeräusche“ gemacht haben, wenn sie andere Kinder essen sahen. Auch Begriffe wie „hässliches deutsches Mädchen“ sollen in diesem Zusammenhang gefallen sein. Als die Kinder hilfesuchend ihre Lehrerin um Rat fragten, habe diese geraten, die Fastenden „nicht zu provozieren“ und sich beim Essen ihres Pausenbrotes wegzudrehen, es also heimlich zu essen. Nach Beschwerden von Eltern prüft die Schulaufsicht den Fall.

Unterwerfungsgesten unter die Glaubensregeln muslimischer Einwanderer, die an vielen Schulen schon die Mehrheit stellen, sind nicht neu. Anzupassen haben sich bekanntlich nicht die Hinzugekommenen, sondern die Angehörigen der zumindest noch nominell christlichen Mehrheitsgesellschaft. Das gilt auch für kommunale Ramadan-Werbeaktionen wie jene in Frankfurt am Main, wo ausgerechnet in der „Freßgass“, einst so etwas wie das kulinarische Zentrum der Stadt mit dem berühmten, längst geschlossenen Feinkostgeschäft „Plöger“ und der ebenso berühmten wie ebenfalls geschlossenen Bäckerei „Lochner“, zum muslimischen Fastenmonat eine Festbeleuchtung angeknipst wird: „Happy Ramadan“.

Vielleicht werden nicht-muslimische Schüler ihre Pausenbrote bald heimlich auf der Toilette mümmeln müssen, so wie man auf dem stillen Örtchen schon die mancherorts an Schulen erlassenen Handyverbote umgeht. Selige Zeiten, als man sich auf dem Schulhof noch keine Gedanken über interkulturelle Konflikte bei der Nahrungsaufnahme machen musste, sondern sich vom Klassenbesten in Mathe erklären ließ, wie eine Ableitung funktioniert.

Dabei ist ein Pausen-, respektive Butterbrot eine ebenso einfache wie zweckmäßige Angelegenheit für den „Hunger zwischendurch“: Zwei Scheiben Graubrot, Butter drauf, etwas Leberwurst, Schinken, Salami oder Käse zusammenklappen, durchschneiden und fertig – die Urform des modischen Fingerfoods, wie es heute bei Stehempfängen gereicht wird und bei dem man nie weiß, wohin mit Food, Fingern oder Serviette. Ökologisch war es auch, denn man konnte den Rest des Butterbrotes immer wieder ins Butterbrotpapier einwickeln oder zurück in die Brotdose legen und später verzehren.

Nun ist die Kultur des Pausenbrotes schon vor der muselmanischen Landnahme unter Druck geraten. Zuerst von Seiten der Süßwarenindustrie, die attraktivere Alternativen ersann wie die Ferrero-„Milchschnitte“, die „Knoppers“-Waffelschnitte („kleines Frühstückchen“) oder diverse Müsliriegel. Denn Süßes kommt nicht nur bei Kindern immer besser als Leberwurst und Schnittkäse. Und die gesunden Apfelschnitze, die mir meine Mutter bereits im Kindergarten mitgab, wurden damals schon braun, weil ich sie nicht essen wollte. Mittlerweile grassiert in den Schulen die Ramen-Seuche, wenn sich die Kids nicht gleich per Handy eine Pizza kommen lassen, zur Not unter falschem Namen..

Auch Handwerker oder Bauarbeiter, die früher ins Butterbrot bissen, aus dem Henkelmann Eintopf löffelten und dazu lässig eine Flasche Bier mit dem Feuerzeug knackten, haben ihre Ernährungsgewohnheiten umgestellt. Sie gönnen sich heute beim Metzger um die Ecke eine Leberkässemmel oder gleich eine vollgültige warme Mahlzeit, weswegen die meisten Metzgereien zu Schnellimbissen mutiert sind, die nebenher vielleicht noch etwas Fleisch und Aufschnitt verkaufen.

Das Butterbrot indes kann getrost als Auslaufmodell bezeichnet werden, woran auch seine lange Tradition nichts ändert, ob als „Stulle“, „Bemme“, Kniffte“, „Bütterken“, „Donge“ oder „Fieze“ – Wikipedia hat hier beachtliche Forschungsarbeit geleistet, gipfelnd in einer allgemeingültigen Definition, um was es sich eigentlich handelt: „Ein Butterbrot ist eine mit Butter bestrichene Scheibe Brot. Regional werden auch belegte Brote im Allgemeinen oder zwei zusammengeklappte Brotscheiben mit dem Belag dazwischen als Butterbrote bezeichnet.“

Ein beachtenswertes Beispiel kultureller Aneignung, also der Übernahme von Elementen einer Minderheitskultur durch Angehörige der dominanten Kultur, bescherte uns der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in seiner interreligiös sensiblen Berichterstattung über den Klever Pausenbrotstreit. „Dieses Jahr fällt der Ramadan weitgehend in die christliche Fastenzeit vor Ostern. Auch viele Christen verzichten in diesen Wochen bewusst auf bestimmte Gewohnheiten oder Lebensmittel.“

Herzlichen Dank für die öffentlich-rechtliche Aufklärungsarbeit über die Gewohnheiten „der Christen“. Vielleicht könnte man ja die Amtskirchen dazu bewegen, die vorösterliche Fastenzeit dauerhaft mit dem Ramadan zu koordinieren, der in den Jahren 2020 bis 2029 zwischen Mitte Januar und Ende Mai zu liegen kommt. Davor und danach gibt’s dann wieder, würg, Döner für alle.

Diese Kolumne erscheint jeden Sonntag bei achgut.com.

Foto: Pixabay

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