Es muss nicht immer Colmar sein – Ein kulinarischer Roadtrip durch das Nordelsass

von | Dez. 12, 2025 | Aufmacher | 0 Kommentare

Es gibt wohl kaum ein anderes Fleckchen Erde, das Gourmets und Gourmands, Weinfreunde und Kunstinteressierte gleichermaßen schätzen und lieben wie das Elsass. Unser „Tour d’horizont“ führt uns durch das nördliche Elsass und beginnt in Wissembourg, der ersten französischen Stadt hinter dem Deutschen Weintor. Eine beschauliche Kleinstadt, die von Resten der alten Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert umschlossen ist. Wissembourg bietet neben der gut erhaltenen Altstadt einen bunten Mix an Architektur: gotische Kirchen und barocke Bürgerhäuser, Villen im Stil des Historismus und Häuser aus dem späten 20. Jahrhundert.

Am Place du Marché aux Choux liegt die Pâtisserie „Rebert Daniel“, die beste Adresse in Wissembourg für Süßes! Natürlich ist in dem schicken Verkaufsraum der weiß bestäubte Gugelhupf Spezialität des Hauses und Verkaufsschlager. Alles andere an Süßkram, von Opera, Creole, Tartelette, Eclair bis Croissant hat ebenfalls Klasse. Extraordinaire. Nur ein paar Schritte weiter in der Rue Nationale 21 liegt die gerade neu eröffnete Boutique „La Cloche à Fromage“. Unter der gläsernen „Cloche“ sind die besten Käse der Region versammelt, aber auch unsterbliche Klassiker wie der „Brin d’amour“, ein korsischer Rohmilchkäse aus Schafsmilch, oder cremige Chèvre aus der Touraine.

Von Wissembourg aus schlängeln sich die gut ausgebauten Routes Départementale rund 60 Kilometer in Richtung Wingen-sur-Moder. Vorbei an Feldern und Waldstücken, durch kleine Dörfer, in deren Mitte die Kirche und das blau-weiß-rot geschmückte Kriegerdenkmal stehen. Französische Provinz pur, die profunde Bodenständigkeit und Grande Nation in sich vereint.

Wingen-sur-Moder wäre ein unbedeutendes und schmuckloses Provinznest geblieben, hätte es nicht Lalique gegeben. Ein Name mit Weltruf, tief verwurzelt im nördlichen Elsass, abseits der Touristenströme, aber dennoch mittendrin im Club der großen internationalen Labels. Lalique ist der Inbegriff von Glaskunst, von handwerklich produzierten Designobjekten aus Kristallglas, extravaganten Parfumflakons, Schmuck und Glasskulpturen. Geboren im Esprit des Jugendstils und Art-déco, bis heute avantgardistisch, exklusiv und luxuriös. Seit mehr als 100 Jahre kommt Lalique aus der Glashütte in Wingen-sur-Moder, Firmengründer René Lalique hat sie im Jahre 1921 eröffnet. Unweit der Produktionsstätte liegt heute das Glasmuseum mit rund 650 außergewöhnlichen Exponaten aus der Firmengeschichte. Eine Sammlung, die den Esprit, das Flair und den Glanz des Art-déco versprüht und lebendig werden lässt, eine Epoche, in der Kreativität, Schönheit und Eleganz im Kunsthandwerk ausdrucks- und eindrucksvoll aufgingen. Gegenüber des Glasmuseums steht in moderner Architektur die Boutique Lalique, die das gesamte Portfolio der Manufaktur, inklusive der eigenen Parfums anbietet.

Doch das ist längst nicht alles, was Wingen-sur-Moder zu einem attraktiven Reiseziel macht. Da ist zum einen neben Boutique und Museum „Château Hochberg“, das zur Lalique-Gruppe des Schweizer Unternehmers Silvio Denz gehört. Im Stil des Second Empire Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut, ist in dem aufwendig restaurierten Schloss heute ein Hotel und Restaurant untergebracht. Seit Juni 2017 schwingt Küchenchef Arnaud Barberis hier das Zepter, der Südfranzose steht für eine angenehm unkomplizierte Gourmet-Küche: raffiniert, saisonal, und mediterran inspiriert! Auch mittags bekommt man bei Arnaud und seinem Team ein erstklassiges Menü zu einem äußerst fairen Preis serviert.

Rund zwei Kilometer von „Château Hochberg“ entfernt, steht in einem weitläufigen Park die 1920 von René Lalique erbaute Villa, die vor zehn Jahren aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde, und seitdem ein luxuriöses Hotel und Restaurant beherbergt. Zwei Michelin-Sterne leuchten über dem schicken Restaurant im modernen Anbau, das mit seinem durchgestylten Interieur zu den schönsten der Welt zählt. Paul Stradner heißt der talentierte Küchenchef, seine aromatischen Gerichte sind geschmacklich so tiefgründig elegant und eindrucksvoll, wie das mit Lalique-Glaskunst gestaltete Interieur des Restaurants.

Wer glaubt, dass nur in den Revue Shows im Pariser Moulin Rouge oder im Lido in knappen Pailletten-Kleidern getanzt wird, der Champagner in Strömen fließt und Nachtschwärmer zum Alltag gehören, der hat sich gewaltig geirrt. Auch in der Provinz geht die Post ab, zum Beispiel in Kirrwiller. In dem kleinen Ort am Rand des Regionalen Naturparks „Vosges du Nord“ würden sich normalerweise Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Wäre da nicht der „Royal Palace“, der das beschauliche Dorf und seine rund 540 Einwohner bis spät in die Nacht auf Trapp hält. Denn hinter der herausgeputzten Fassade des auffälligen Baus am Ortsrand verbirgt sich das drittgrößte Varietétheater Frankreichs. Dahinter steckt Pierre Meyer, ein freundlicher, ruhiger und bescheiden wirkender Mann, der in Kirrwiller geboren und aufgewachsen ist, und nach und nach aus einem kleinen Familienunternehmen ein international renommiertes Varieté gemacht hat. Im Jahre 1980 übernahm Pierre Meyer die elterliche Wirtschaft mit Tanzsaal, die am Wochenende die Menschen aus den Nachbargemeinden nach Kirrwiller zog. Zwei Jahre später wurde die erste Bühne im Restaurant eingeweiht, für die damalige Zeit eine echte Innovation. Für den gelernten Koch Pierre Meyer begann damit das Abenteuer seines Lebens. Nach und nach investierte er immer mehr in die Bühnentechnik, im Jahre 1989 hob sich der Vorhang für seine erste Dinnershow.

Heute ist der „Royal Palace“ längst mehr als ein Geheimtipp in der elsässischen Provinz. Er ist ein international renommiertes Varieté-Theater comme il faut! Ein Universum bester Unterhaltung zwischen Märchen und Magie, ein Ort zum Träumen, ein Theater mit 1000 Sitzplätzen, das mit großer und aufwendig inszenierter Show die Gäste begeistert. Im aktuellen Programm stehen rund 40 Künstler auf der Bühne und bieten sieben verschiedene Attraktionen von internationalem Rang. Bienvenue zur Show-Time mitten in der elsässischen Provinz.

Vom Ortsausgang Kirrwiller geht es auf der Landstraße in Richtung Norden über Val-de-Moder und Mertzviller ins rund 20 Kilometer entfernt gelegene Laubach. Die kleine Gemeinde am Rande des „Forêt de Hagueneau“ zählt gerade mal 320 Einwohner, ein unspektakulärer, ruhiger, aber gastlicher Ort in provinzieller Abgeschiedenheit. Wer nach Laubach kommt, hat nur ein Ziel vor Augen. Das Restaurant „La Merise“ in der Rue d’Eschbach! Im unkomplizierten familiären Ambiente zelebriert Cédric Deckert hier große raffinierte Gourmet-Küche ohne Schnörkel, ein gastronomisches Erlebnis der besonderen Art, das mit zwei Michelin-Sternen gekrönt ist. Derweil kümmert sich Christelle Deckert und ihr Team bestens um die Gäste, die unbedingt reserviert sollten, um in den Genuss der liebenswerten Gastfreundschaft der Familie Deckert zu kommen.

Die nächste Station ist Lembach. Den kleinen, von Wäldern und Sandsteinfelsen umgebene Ort im Tal der Sauer haben Feinschmecker seit Jahrzehnten auf dem Schirm. Denn hier steht ein geschichtsträchtiges Elsässer Restaurant, eine Legende, deren kulinarische Geschichte mit Fernand Mischler 1907 begann. Das „Cheval Blanc“, ursprünglich eine Poststation mit Gasthof, ist bis heute eine kulinarische Pilgerstätte, die seit 2008 von Pascal und Carole Bastian betrieben wird. In freundlicher und familiärer Atmosphäre wird im schick eingedeckten Gourmet-Restaurant mittags und abends nicht nur erstklassig aufgetischt. Der Gasthof bietet auch Zimmer und einen modernen SPA für die entspannte Auszeit. Beste Voraussetzungen für ein „Rundum-Wohlfühl-Erlebnis“, empfehlenswert sind die Arrangements an ausgesuchten Tagen.

Die letzte Station auf dem Weg zurück nach Wissembourg ist Niedersteinbach, auf der Route Départementale 3 nur einen Katzsprung von Lembach entfernt. Unübersehbar steht am Ortseingang das Hotel „Cheval Blanc“ mit seinen 31 gemütlichen, individuell eingerichteten Zimmern. Eine gutbürgerliche Bleibe, zu der auch ein Restaurant mit feiner klassischer, regional geprägter Küche gehört. Spezialität des Traditionshauses ist die frische Forelle aus dem hauseigenen Fischteich, im Herbst kommen hier herzhafte Wildgerichte auf die Teller.

Von Niedersteinbach bis Wissembourg, dem Ausgangspunkt und Ende unseres Roadtrips sind es rund 23 Kilometer. Wer hier noch ein Café trinken, und dazu einen Mini-Gugelhupf essen möchte, ist in der Pâtisserie „Au p’tit Kougelhopf“ in der Rue Nationale 20 bestens aufgehoben, die dafür einen Salon mit Sitzplätzen bereithält.

Foto: Pixabay

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